Social Media Plattformen: Was passiert, wenn jemand stirbt?

Hier die Fotos aus dem Urlaub, da die Kommentare vom lustigen Abend mit Freunden in der Kneipe und jede Menge „Likes“ und Smilies zu allem, was uns gerade wichtig ist. Auch, wenn wir uns dessen gar nicht bewusst sind: Wir hinterlassen tagtäglich unzählige digitale Spuren. Worüber sich wohl die wenigsten Gedanken machen: Was passiert eigentlich, wenn ein Mensch stirbt? Wo sind die Zugangsdaten, wie kann man ein Konto löschen, wie bekommt man angesichts der teilweise kryptischen Benutzernamen überhaupt heraus, wer auf welcher Plattform einen Zugang hat? Eine für viele erschreckende Tatsache: Mit dem Tod endet die Mitgliedschaft auf einer Social Media Plattform keineswegs automatisch: Fachleute gehen alleine bei Facebook von weltweit circa 30 Millionen Verstorbenen aus, die nach wie vor noch ein Facebook Konto haben.

Unser digitales Abbild lebt weiter

Grundsätzlich gilt die Regel: Das Internet vergisst nichts. Ist eine Information in der Welt, ist es schwierig bis unmöglich, diese Information zu löschen. Zwar bieten nahezu alle Social Media Plattformen inzwischen für Angehörige Möglichkeiten, das Konto selbst zu löschen. Damit ist aber keineswegs sichergestellt, dass damit auch die Informationen, Fotos und Posts gelöscht werden. Insbesondere, wenn diese in andere Meldungen eingebettet sind, sind zumindest unsere digitalen Spuren unsterblich.

 

 

Social Media ist keine Einbahnstraße

Mehr als die Hälfte aller Deutschen ist inzwischen in einem oder mehreren sozialen Netzwerk aktiv. Und viele verwenden Benutzernamen, die den Rückschluss auf die Person schwierig bis unmöglich machen. Umso schlimmer für die Trauernden, wenn diese nicht nur täglich an die Spuren erinnert werden, die der geliebte Mensch hinterlassen hat: Praktisch alle sozialen Netzwerke senden Informationen und Nachrichten an diese Personen. Auch Nachrichten über den Tod einer Person verbreiten sich lawinenartig im Netz und führen zu Beileidsbekundungen, die nicht jeder verkraften mag.

 

Facebook bietet zwei Wege

Faktisch ein Problem ist für viele Angehörige, dass diese Situation noch immer nicht höchstrichterlich geklärt ist. So kämpft eine Familie bereits seit 2012 vor dem Berliner Kammergericht um Einsicht in das Konto ihrer Tochter um zu erfahren, ob sie Suizid begangen hat. Der Betreiber verweigert den Zugang mit dem Verweis auf das „Fernmeldegeheimnis". Andererseits bieten die meisten Betreiber mehrere Möglichkeiten an, ein Konto stillzulegen. So gibt es bei Facebook den sogenannten „Gedenkmodus", in den man ein Konto ohne größeren Aufwand versetzen kann. Wie das funktioniert erfährt man im Facebook Hilfeforum. Wer über die entsprechenden Nachweise – z. B. die Sterbeurkunde – verfügt, kann ein Konto bei Facebook auch löschen lassen.

 

Streitpunkt „digitales Erbe“

Besonders einfach macht man es seinen Angehörigen, wenn die Zugangsdaten zu den jeweiligen Social Media Plattformen dokumentiert und an einer Stelle aufbewahrt werden, an denen man sonstige relevanten Dokumente aufbewahrt. Allerdings besteht auch in dieser Frage höchstrichterlicher Klärungsbedarf: Noch immer ist nämlich nicht geklärt, ob ein Facebook Account vererbbar ist. Das ist keine juristische Spitzfindigkeit, weil mit manchen Accounts inzwischen Millionenumsätze erwirtschaftet werden. Ist ein Facebook Account jedoch vererbbar, darf das Unternehmen die Daten nicht mehr eigenmächtig löschen. Bislang genügt es jedoch meist, eine Geburts- und Sterbeurkunde und einen rechtsgültigen Nachweis beim Unternehmen einzureichen, dass man Angehöriger ist. In aller Regel wird der Account dann gelöscht.