Fallen Phytos aus der Apothekenpflicht?

Fünf teils umsatzstarke Zubereitungen an Phytopharmaka sollen aus der Apothekenpflicht entlassen
werden. Das hat der zuständige Sachverständigenausschuss für Apothekenpflicht (SVA) empfohlen.
Betroffen sind neben Oxalsäuredihydratlösung auch Präparate mit Thymol, Birkenblättern,
Ortisophonblättern, Goldrutenkraut, sowie deren Zubereitungen.

Bei ihrer ersten Sitzung seit acht Jahren hatte sich der SVA (Sachverständigenausschuss für Apothekenpflicht) sieben Phytopharmakologische Zubereitungen vorgenommen. Nur bei zweien wurde der Antrag auf Entlassung aus der Apothekenpflicht abschlägig entschieden. Bei den anderen Präparaten muss mit Konkurrenz aus der Drogerie bzw. dem Mass Market gerechnet werden. Die Entscheidung des SVA ist zwar noch nicht rechtlich bindend. In der Regel folgen die zuständigen Ministerien jedoch der SVA-Empfehlung.

 

 

Goldrutenkraut, Ortisophon, Birke

Sowohl als Monopräparat als auch mit Zusatz anderer Stoffe oder Zubereitungen soll Goldrutenkraut bzw. Echtes Goldrutenkraut aus der Apothekenpflicht entlassen werden. Auch Birkenblätter und Ortisophonblätter hat es getroffen: Sowohl als einzelne Präparate als auch in Kombination miteinander empfiehlt der SVA das Ende der Apothekenpflicht. Betroffen sind unter anderem die ortisophonhaltigen Ardeynephron-Kapseln. Hinzu kommen Präparate mit Thymol sowie mit Oxalsäuredihidratlösung, die beide für die Anwendung bei Bienen zugelassen sind.

 

Thymian und Teufelskrallenwurzel

Ebenfalls auf der Tagesordnung stand die Entscheidung über Präparate mit Thymiankraut sowie Teufelskrallenwurzel. Der SVA hat sich jedoch entschieden, keine Empfehlung auf Entlassung auszusprechen. Gerade von einer Änderung bei Thymiankraut wäre eine ganze Reihe wichtiger Produkte betroffen gewesen.

 

Gut vorbereitet

Noch sind die Empfehlungen des SVA nicht rechtlich umgesetzt. So bleibt etwas Zeit, auf die zu erwartende Konkurrenz aus den Drogerien zu reagieren. Fällt die Apothekenpflicht, sind diese schnell bemüht, die sich bietenden Chancen zu nutzen: So auch nach den letzten Entscheidungen des SVA 2009, als Melisse, Passionsblume und Artischocke aus der Offizin entlassen wurden. Während viele Hersteller bekannter Apothekenmarken die Apothekenexklusivität wahren, wittern andere ihre Chance mit No-Name-Produkten und Handelsmarken.
Ob man durch eine Vorab-Reduzierung der Lagerbestände oder mit einer Preis-Offensive auf den sich verschärfenden Wettbewerb reagiert, hängt stark von Ausrichtung und Umfeld der Offizin ab.