Quo vadis Apothekenhonorar?

Nicht erst seit dem umstrittenen EuGH-Urteil zum RX-Versand wird darüber diskutiert, ob das aktuelle
Honorarmodell zukunftsfähig ist. Immer wieder hat die ABDA versucht, neben der Honorierung der
Arzneimittelabgabe auch andere Dienstleistungen geldwert zu machen. Mittlerweile haben sich einige
politische Parteien für eine Honorarreform ausgesprochen – Vorschläge bleiben allerdings vage.
Wir stellen einige Ideen vor.

An der Gestaltung des Apothekenhonorars muss sich etwas ändern. Darüber scheinen sich die meisten Akteure mehr oder weniger einig. In welche Richtung diese Änderungen gehen können, darüber herrscht allerdings kein Konsens. Bezeichnend für die unterschiedlichen Positionen ist, dass die Federführung innerhalb der Bundesregierung in die Hände des Wirtschaftsministerium und nicht etwa an das Gesundheitsministerium gegeben wurde. Dieses läßt von einer externen Unternehmensberatung ein Gutachten erstellen. Diverse Ideen werden seit Langem diskutiert.

 

 

Honorar für die Beratung

Im Kontext der Debatte um ein RX-Versandverbot wurde von der SPD ein Beratungshonorar ins Spiel gebracht: Quasi als Ausgleich für eventuelle Verluste an den Versandhandel sollten Vor-Ort-Apotheken eine Vergütung für die Beratung erhalten, die sie bei der Arzneimittelabgabe anbieten. Offen bleibt, wie das Honorar finanziert werden soll. Tragen die Kassen die Kosten oder müssen sich auch die Patienten beteiligen? Dann wäre zu befürchten, dass diese aus Kostengründen Beratungsleistungen, die heute üblich sind, verweigern: Statt die Versorgungslage zu verbessern würde man sie verschlechtern.

 

Weitere Leistungsangebote

Insbesondere in der ABDA hat man sich bemüht, unabhängig von der Packungsabgabe Vergütungen für alte und neue Dienstleistungen zu erhalten. Zuletzt waren jedoch die Bemühungen, für eine größere Rolle bei Erstellung und Pflege des Medikationsplans eine Vergütung zu erhalten, gescheitert. Auch bei Leistungen im Bereich der Prävention sehen offenbar weder die Krankenkassen noch die Politik die Apotheken in einer tragenden Rolle: Im groß angelegten Präventionsgesetz spielen sie eine eher marginale Rolle. Nach wie vor dürfen Apotheken keine Vereinbarungen über honorierte Dienstleistungen mit Krankenkassen schließen. Und es sieht nicht so aus, als ob von Seiten der Kassen und der Politik der Wille besteht, das zu ändern.

 

Mehr Fonds?

Von der FDP, aber auch vom Bundesverband der Deutschen Versandhändler (BVDVA), wurde zuletzt immer wieder die Idee eingebracht, das Prinzip des Nacht- und Notdienstfonds auch auf andere Bereiche anzuwenden. Landapotheken könnten über einen „Sicherstellungszuschlag“ subventioniert werden. Eine solche „Landapothekenpauschale“ wäre zwar wahrscheinlich politisch umsetzbar. Eine Neuordnung des Honorarsystems wäre sie allerdings nicht gerade. Anders bei einem umfassenden Fonds-Modell: Wenn ein Anteil des Packungspauschale in einen großen „Apotheken-Fonds“ fließt, könnte daraus nicht nur eine Grundsicherung, sondern auch – unabhängig von den Krankenkassen – die Vergütung einzelner Dienstleistungen finanziert werden.

 

Das „Holland-Modell“

Überraschend hatte Friedemann Schmidt ein anderes Konzept ins Gespräch gebracht: „Als Privatmann“ hat sich der ABDA-Präsident für „ein Einschreibe-Modell“ ausgesprochen: Patienten sollen sich in einer Apotheke ihrer Wahl als Stammkunde einschreiben lassen können. Die Apotheker erhält dann für jeden eingeschriebenen Patienten eine pauschale Vergütung. Ein solches Modell wird in den Niederlanden seit Langem praktiziert und sorgt zugleich für eine enge Zusammenarbeit von behandelten Ärzten und Apothekern. Für welches Modell sich die Politik am Ende entscheidet, hängt jedoch nicht zuletzt am Resultat des BMWi-Gutachtens ab – und natürlich von der Bundestagswahl im September!