Mit Sicherheit das bessere Rezept: Medikamente DSGVO konform vorbestellen

Ab 25. Mai entfaltet die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ihre volle Wirkung. Das Versprechen dieser Verordnung, die streng genommen schon seit Mai 2016 gilt: Die persönlichen Daten jedes einzelnen sollen besser vor Missbrauch geschützt werden. Nicht wenige Experten sehen die DSGVO als Antwort auf den mehr als fahrlässigen Umgang der Digitalkonzerne wie Facebook, Amazon oder Google. Auch auf Geschäftsleute kommen mit der DSGVO erhebliche Veränderungen zu – und damit auch für Apotheker. Zum Beispiel wird es wohl nicht mehr zulässig sein, mit dem Instant Messenger WhatsApp Medikamente vorzubestellen. Das ist nicht schlimm. Es gibt nämlich sichere Alternativen.

Fast 70 Prozent aller Deutschen nutzen WhatsApp. Und viele greifen auf die Services mancher Apotheken zurück, die zum Beispiel verschreibungspflichtige Medikamente per WhatsApp vorbestellen. Das ist ab dem 25. Mai vermutlich nicht mehr möglich. Ab da gilt die neue DSGVO. Und auch, wenn WhatsApp inzwischen einen Release zur Verfügung gestellt hat, der einige Vorgaben der neuen Datenschutzrichtlinie DSGVO konform regelt: Experten sind der Ansicht, dass zwei elementare Aspekte einer weiteren Nutzung im Wege stehen.

 

 

WhatsApp: Wir haben ein Problem

Ein Aspekt, der nicht in Einklang mit den Datenschutzrichtlinien steht, ist der Zugriff auf die Kontaktdaten der Nutzer. Wer WhatsApp auf seinem Smartphone verwendet, erlaubt der Facebook-Tochter den Zugriff auf sein Adressbuch. Wie fahrlässig die WhatsApp-Mutter Facebook mit Millionen Nutzerdaten umgeht, zeigt der Cambridge Analytica-Skandal. Weit gravierender ist jedoch die Tatsache, dass die WhatsApp-Daten an Server in die USA weitergeleitet werden. Dies ist aufgrund der laxen Datenschutzbestimmungen in den USA nicht zulässig.

 

Verstöße können teuer werden

Wie ernst es die EU mit dem Datenschutz meint, erkennt man an den vorgesehenen Strafen: Diese können bis zu 20 Millionen Euro betragen – bei Großkonzernen bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. Insbesondere im Einzelhandel gibt es Stimmen, die sagen, dass nichts so heiß gegessen wird, wie man kocht. Doch Vorsicht: Mit der DSGVO können Verstöße gegen die DSGVO nicht nur von Betroffenen, sondern auch von Verbraucherverbänden abgemahnt werden. Zu den Abmahnkosten kommt dann noch der Imageschaden etwa bei den Kunden.

 

Viele Kritikpunkte – ein Resümee

Neben diesen fundamentalen Problemen bei WhatsApp resultieren für die Apotheke eine ganze Reihe ungeklärter Aspekte: Eigentlich ist WhatsApp nicht für kommerzielle Zwecke zugelassen. Und: Auf welchem Smartphone findet die Kommunikation mit den Kunden statt – ist es ein Dienst-Smartphone der Apotheke oder ein – unzulässiges – privates Telefon. Darf es neben der reinen Bestellfunktion auch für Marketing-Aktivitäten genutzt werden? Wie wird dabei die Erlaubnis des Kunden eingeholt, dokumentiert und wie werden die Daten im Zweifelsfall tatsächlich dauerhaft gelöscht, wie es die DSGVO vorschreibt?

 

Lieber auf Nummer sicher gehen

Wer nun den Rückfall in die Steinzeit befürchtet, kann beruhigt sein. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe sehr sicherer Alternativen, die noch dazu den Umgang mit der DSGVO einfacher machen. Zum Beispiel gibt es die Bestell-App „Deine Apotheke“, mit der Kunden verschlüsselt Rezepte fotografieren, an ihre Apotheke weiterleiten, per Chat über den Abholtermin informiert werden, und die ganze Bearbeitung in der Zwischenzeit über die Warenwirtschaft in der Apotheke am Kassensystem ADGRAYCE T erfolgen kann. Sicherlich fragt man sich an dieser Stelle, warum bei „Deine Apotheke“ Funktionen erlaubt sind, die bei WhatsApp dem Datenschutz zum Opfer fallen. Der Unterschied: Bestell-Apps wie etwa „Deine Apotheke“ sind bereits in ihrer Grundkonzeption ganz eng an den strengen Datenschutzrichtlinien in der Apotheke angelegt, die schon von Berufs wegen als Geheimnisträger besondere Vorgaben beachten müssen. Bei Social Media-Dienstleistern oder Instant-Messenger-Anbietern, wie der Facebook-Tochter WhatsApp, gilt dagegen der Grundsatz: Ein scheinbar kostenloser Dienst ist selten tatsächlich gratis – der Nutzer ist schlicht Teil des Geschäftsmodells und zahlt mit seinen Daten.
Bestell-Apps jedoch sind ein Service der Apotheke, die der Versorgung mit Medikamenten und der Gesundheitsberatung dient. Und selbstverständlich kann die Apotheke diesen Service auf die Kosten umlegen.