Eltern fragen lieber Apotheker als Arzt

Bei leichteren Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen ersetzt die Apotheke für viele Eltern den Kinderarzt. Das bestätigte eine repräsentative Studie im Auftrag der Elternzeitschrift Baby und Familie. 60,8 % der Befragten gaben darin an, bei leichteren Erkrankungen zuerst in die Apotheke zu gehen.

Schön für die Apotheke, dass fast jeder zweite der Befragten zudem angab, die Beratung in der Apotheke erst richtig zu würdigen, seit er Kinder hat. Und gleich 89,0 % der Befragten zeigten sich sehr zufrieden, wenn es um die Behandlung bzw. die Beratung von Erkrankungen ihrer Kinder gehe.

 

 

Umfrage spiegelt nur Teil der Wahrheit

Erfahrungsgemäß spiegelt diese Umfrage allerdings nur einen Teil der Wahrheit wieder. Insbesondere Ärzte aus dem Notdienst berichten von Fällen, in denen Eltern höchst unterschiedlich mit der Krankheit ihres Kindes umgehen. „Viele Eltern sind heute sehr unsicher, was die Gesundheit ihrer Kinder angeht“, weiß etwa Herman Josef Kahl, Kinderarzt in Düsseldorf. Mediziner sprechen hier von Hochbesorgten und Naturbegabten. Unter „Hochbesorgten“ werden dabei Eltern subsumiert, die beim kleinsten Anzeichen einer Befindlichkeitsstörung sofort in die Notaufnahme kommen. Kommt dann noch Fieber hinzu, das insbesondere bei Kleinkindern sehr schnell sehr hoch sein kann, dann pochen „Hochbesorgte“ geradezu auf schnelle Hilfe etwa durch ein Antibiotikum. Untersuchungen von Phytoherstellen haben interessanterweise ergeben, dass gerade diese „Hochbesorgten“ sehr oft in der Nutzerschaft von als „sanft“ wahrgenommener Medizin zu finden sind.

 

Wissen, was hilft

In die Gruppe der „Naturbegabten“ werden dagegen die Eltern eingeordnet, die leichte Erkrankungen in der Regel recht gut selbst einordnen können, und die schnelle Hilfe in der Apotheke, der oft langen Wartezeit im mit hustenden und niesenden Kindern überfüllten Arztwartezimmer, vorziehen. Sowohl Ärzte in der Notaufnahme als auch Apotheker im Notdienst kennen jedoch den „verschärfenden Internet-Effekt“. Fast jeder kann heute via PC oder Smartphone nach den Symptomen einer Krankheit googeln und stößt bei seiner Suche auf die schlimmsten Krankheiten. Umgekehrt sind jedoch auch Eltern bekannt, die auf frei verkäufliche Medikamente zurückgreifen, und dabei entweder einen wichtigen Arztbesuch oder aber Anzeichen einer ernsthaften Krankheit nicht wahrnehmen. So werden gerade leichte Befindlichkeitsstörungen mit homöopathischen Mitteln oder Phytopharmaka selbst medikamentiert, ohne den Arzt oder Apotheker zu fragen.

 

Europaweite Studie zu Schmerzmitteln

Leider liegen zur Frage, wo sich Eltern über Arzneimittel informieren, nur sehr wenige Studien vor. So gibt es eine Studie aus dem Jahr 2008, die im Auftrag der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft und einiger Analgetikahersteller erstellt wurde. Laut dieser Studie haben Apotheker einen großen Einfluss auf die Wahl des Schmerzmittels. 65 % der befragten Deutschen gaben an, dabei auf den Rat des Hausarztes zu vertrauen. 47 % halten den Rat des Apothekers für wichtig. Zu erwarten ist, dass sich der Anteil der Apotheker bei nicht verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln noch weiter erhöht.

 

Das Internet verändert vieles

Besonders bedauerlich ist das Alter dieser Studien, weil sich in den regelmäßigen Befragungen zur Mediennutzung eine deutliche Veränderung in Richtung Internet zeigt. Mehr als zwei Drittel der Deutschen recherchieren einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom zufolge online nach Gesundheitsthemen. Interessanterweise sind dabei Ernährungsfragen das am meisten recherchierte Themenfeld. Betrachtet man genauer, wo die Menschen nun im Internet nach Gesundheitsinformationen suchen, fällt auf: 51% suchen auf Gesundheitsportalen, 28 % auf Ärzteportalen und dann in absteigender Rangfolge auf Ärztewebsites, bei Forschungseinrichtungen, Fachzeitschriften, Krankenkassenwebsites und in Patientenforen. Das Schlusslicht bilden interessanterweise mit 14 % die Webangebote von Apotheken und mit 11% die der Pharmahersteller. In sozialen Medien dagegen suchen nur fünf Prozent der Befragten Rat. Grundsätzlich ist es jedoch so, dass immerhin vier von zehn Befragten sich dahingehend äußern, dass sie der Seriosität der Informationen im Internet misstrauen.