Höhere Mathematik:
Neue Regel zur Berechnung der Packungsgrößen

Es sollte so einfach sein: Seit 2013 legt das Institut DIMDI die Packungsgröße von Arzneimitteln fest, die
sich an der Reichdauer orientieren. Änderungen müssen vom Hersteller beantragt werden und finden drei
Mal jährlich statt. Soweit die Theorie. In der Praxis ist die Berechnung fast schon höhere Mathematik und
kann bei Nichtbeachtung im schlimmsten Falle zur Retaxierung führen.

Was hatte man sich 2013 nicht alles von der Neuordnung der Packungsgrößen versprochen. Mehr Wirtschaftlichkeit. Mehr Klarheit. Mehr Orientierung auch für den Apothekenalltag. Die Idee: Die Packungsgrößen eines Arzneimittels werden ab 1.7.2013 vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) festgelegt. Und sie orientieren sich an der jeweiligen Reichdauer eines Medikaments (N1 = 10 Tage +/- 20 Prozent, N2 = 30 Tage +/-10 Prozent und N3=100 Tage +/-5 Prozent.). Neue Messzahlen müssen beantragt werden und Änderungen werden 3 mal jährlich festgelegt. Soweit die graue Theorie. Kein Wunder, dass so manche Fachkraft und der ein oder andere Apotheker im Alltag vom großen Grauen befallen wird.

 

 

Herausforderung für Matheexperten

In der täglichen Apothekenpraxis nämlich werden diese an sich überschaubaren Vorgaben zusätzlich durch Rabattverträge, die Substitutionsausschlussliste und auch Stückzahlverordnungen zusätzlich beeinflusst. Mit so manchem Rezept beginnt dann das große Rechnen. Beispiel: Ein Kunde legt ein Rezept für ein Antibiotikum in der Packungsgröße á 7 Tabletten vor. Auf dem Rezept ist kein Aut-Idem-Kreuz gesetzt. Der Patient ist bei einer Krankenkasse versichert, die einen Rabattvertrag mit einem Hersteller hat, der die N1-Packung mit 10 Tabletten anbietet. Wie viele Tabletten gibt die Apotheke ab und was passiert mit den überzähligen?

 

Regelmäßige Änderungen

Hersteller können Änderungen ihrer Meßzahlen per Formular beantragen. Diese werden dann dreimal pro Jahr veröffentlicht. In der Praxis hat dies jedoch insbesondere bei der Berechnung von Arzneimitteln bei Initial- oder Erhaltungstherapien zu Schwierigkeiten geführt. Darum wurde zum 1.1.2018 konkret für Interferon beta 1 a eine neue Regel eingeführt. Sie besagt: Bei Arzneimitteln ohne fest definierte Behandlungsdauer, bei der der Arzt eine taggenaue Dauer der Initialtherapie festlegt, wird die Messzahl der N1 Packungsgröße nach der taggenauen Dauer der Initialtherapie bestimmt, selbst wenn diese länger dauert als der Anwendungszeitraum der N1 oder N2 Packung das vorsieht. Bei der Messzahlermittlung der Packungsgrößen N2 und N3 ist wiederum die Erhaltungsdosierung heranzuziehen. Neu ist die Ergänzung der Regel: Wird nämlich durch die Anwendung der neuen Regel mit der bislang gültigen Systematik (N1 > als N2 > als N3) gebrochen, so muss man nicht mehr auf die Dauer und Dosis der Initialtherapie zurückgreifen.

 

Entweder Mathegenie oder gut gepflegtes Rezeptmanagement

Man kann nur sagen: Wohl der Apotheke, die in ihrer Apotheke ein gut gepflegtes Rezeptmanagement
hat, das die jeweiligen Änderungen durch das DIMDI zeitnah berücksichtigt. Oder ein Mathematik-Genie.