Schöne neue Welt –
in Zukunft ist vieles tragbar – auf und in der Haut

Folgt man den Prognosen der Zukunftsforscher, dann gehören viele Erfahrungen mit Krankheiten der
Vergangenheit an. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung und Miniaturisierung und dem Internet der
Dinge werden Lösungen möglich, die unseren Umgang mit Krankheiten, der Vorbeugung oder auch
schlicht unser tägliches Leben grundsätzlich auf den Kopf stellen.

Erstaunlich eigentlich: Auf der einen Seite schicken wir Raumschiffe auf fremde Planeten, die Millionen Kilometer entfernt hochpräzise irgendwo landen. Auf der anderen Seite kommt für einen Diabetiker die tägliche Bestimmung seines Blutzuckerwertes einem Opfergang gleich. Ohne schmerzhaften Stich keine zuverlässigen Informationen. Kein Wunder, dass viele kreative Köpfe bereits an Lösungen arbeiten. Schließlich lautet eines der Paradigmen unserer Zeit nicht mehr: Nicht erst aktiv werden, wenn wir krank sind, sondern das aktive Management unserer Gesundheit zu verfolgen.

 

 

Digitale Technik

Bei einigen dieser innovativen Lösungen liegt der Fortschritt eindeutig auf Seiten der Technik. Die Tablette, die über einen integrierten Sender einer App nach Überwinden der Magenschranke die erfolgte regelmäßige, erfolgreiche Einnahme des Medikamentes vermeldet, stellt in Bezug auf die Compliance einen enormen Fortschritt dar. Andere Start-ups entwickeln gerade Kontaktlinsen, die über die optische Messung der Lichtreflexion Aufschlüsse über den Blutzuckerspiegel geben. Auch die Giganten Google und Novartis machen hier anscheinend enorme Fortschritte: die intelligente Kontaktlinse soll den jeweiligen Blutzuckerwert wie bei einem Piloten ins Blickfeld spiegeln können. Für Millionen von Diabetikern bedeutet dieser Fortschritt, den die Studie „Connected Life 2025" der Strategieberatung Oliver Wyman beschreibt, einen enormen Fortschritt. Auf der Medica 2017 war solchen Start-ups gar im Start-up-Park gleich ein ganzer Bereich gewidmet. Hier zeigten etwa die Gründer von Humotion, wie mittels des textilintegrierten Sensorsystems SmartVia die Bewegungen des Patienten in seiner Gesamtheit erfasst wurden. Dieses Sensorsystem, das in die Kleidung der Person integriert ist, erfasst Bewegungsdaten und gleicht sie mit denen von Erkrankten ab. Kommt der Algorhythmus zum Schluss, dass die Person „unrund läuft“, kann der Arzt gezielt nachhaken.

 

Das Internet der Dinge

Aus einer ganz anderen „Ecke“ kommen Innovationen, die dennoch in einem sehr engen Zusammenhang mit dem Internet der Dinge stehen. Denn damit ist zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit der bidirektionale Fluss von Daten möglich. So werden Daten gesammelt, die später die Basis für entsprechende Analysen ermöglichen. Gleichzeitig stehen diese Daten aber auch für konkrete Handlungsoptionen zur Verfügung. Beispiel: der mit Sensoren bestückte Handschuh tJay der Firma Terra BlueXT misst bei Epilepsi-Patienten Signale aus der Handfläche und kann so vor Anfällen warnen. Armbänder messen unsere tägliche Bewegung und signalisieren, wenn uns etwas mehr Aktivität gut tut. In den USA stehen bereits erste vernetzte Waagen in Krankenhäusern, die typische Wasseransammlungen bei chronischer Herzinsuffizienz erkennen und veranlassen können, dass der Patient behandelt wird.

 

Mehr Science als Fiction

In der Studie „Connected Life 2025“ der Strategieberatung Oliver Wyman gehen die Autoren davon, dass im Jahr 2025 über 40 Prozent aller elektronischen Konsumgüter über den Kontakt zum Körper gesteuert werden können. Das akkugestützte vernetzte Pflaster Metria, das die Telekom und Medisana bereits vorstellten, misst die Oberflächenspannung der Haut, ermittelt Puls, Temperatur, Schlafzeiten, körperliche Aktivitäten und Schrittzahlen und übermittelt diese in ein Vitalportal. Dort kann der Nutzer dann optional Ärzte oder Trainingscoaches freischalten, die ihm wiederum dabei helfen, sein Gesundheitsmanagement aktiv zu steuern.

 

Grenzen verändern sich

Die Strategieberater erwarten, dass sich in Zukunft die traditionellen Grenzen des Gesundheitsmarktes verändern. Onlineservices werden die Tätigkeit des Arztes – etwa in der Diagnose – erheblich verändern. Aus Leistungserbringern wie Arzt/Behandler, Medikamentenabgabestelle und Therapie werden Ökosysteme entstehen, die sich rund um Themen wie Ernährung, Schlaf, Therapeutics oder Data & Insights bewegen. Da liegen dann auch neue Felder – und neue Chancen durch eigene Leistungen – zusammen mit Partnernetzwerken wie etwa dem ADG Xnet.